Umarmungen
Empfindungen von Geborgenheit und Wohlbefinden, die selbst ein Duft hervorrufen kann
Eine Umarmung ist nicht nur eine Geste, um Zuneigung und Sympathie auszudrücken, sondern ein echter Aktivator unseres Stoffwechsels und eine reale Quelle des Trostes für unseren psychischen Zustand. Die positive Wirkung einer aufrichtigen und herzlichen Umarmung ist nicht nur mit einer emotionalen Wahrnehmung verbunden, sondern auch mit physikalisch-chemischen Reizen, die unser Körper empfängt und auf die er reagiert. Diese Reaktion ist angeboren und natürlich: Wir sind seit der Empfängnis an den körperlichen Kontakt mit einem anderen Körper gewöhnt. Menschlicher Kontakt löst durch taktile und olfaktorische Reize eine Reihe von chemischen und hormonellen Reaktionen im Gehirn aus, die ein Gefühl des Wohlbefindens hervorrufen.
Reize und Erinnerungen
Wissenschaftliche Studien sind sich inzwischen über die Auswirkungen auf den Serotoninspiegel in unserem Körper einig, einem Neurotransmitter, der Stimmung und Angst reguliert. Ebenso wichtig ist die Ausschüttung von Oxytocin, einem Hormon, das als Aktivator von Sozialverhalten und Zuneigung gilt. In diesem Prozess spielt die olfaktorische Erfahrung eine entscheidende Rolle. Gerüche, die direkt auf unser neuronales System wirken, lösen unmittelbare Reaktionen aus und rufen Empfindungen hervor, die insbesondere mit frühen Lebensphasen verbunden sind, wie die Nähe zum mütterlichen Körper und die Ernährung.
Ein besonderer Tag
Die Bedeutung der Umarmung als echtes Balsam für das psychophysische Wohlbefinden wurde auch durch die Einführung des National Hugging Day, der am 21. Januar stattfindet, anerkannt. Der Anlass wurde 1986 in den Vereinigten Staaten vom Pastor Kevin Zaborney ins Leben gerufen, um dazu anzuregen, Gelassenheit und menschliche Wärme gerade in einer Jahreszeit, dem Winter, wiederzufinden, in der die Umweltbedingungen dem Wohlbefinden weniger zuträglich sind. Über seine folkloristischen Aspekte hinaus kann der Tag der Umarmung ein Anstoß sein, Verhaltensweisen und soziale Gewohnheiten zu suchen, die Beziehungen fördern und gleichzeitig Stress und Spannungen reduzieren können. Ebenso kann er ein Impuls für Verhaltensweisen und Gewohnheiten sein, die auf die Selbstfürsorge durch das Erleben positiver Empfindungen ausgerichtet sind.
Ein Balsam für die Seele
Wie bereits erwähnt, ist die olfaktorische Wahrnehmung nicht nur ein entscheidender Bestandteil, sondern auch der schnellste Weg, die Vorteile von Berührung zu aktivieren, dank der unmittelbaren Aktivierung der Rezeptoren und des limbischen Systems unseres Nervensystems. So wirken insbesondere jene Düfte, die durch ihre Noten und Kompositionen die Süße und Wärme einer Umarmung hervorrufen. Sie rufen Momente des Trostes und der Geborgenheit ins Gedächtnis: unbewusste, aber sehr lebendige Erinnerungen an Empfindungen aus angenehmen und erfüllenden Momenten. Vor allem Noten von Karamell, Honig und Vanille liefern diese Reize. Insbesondere Vanillin, das Molekül, das für den typischen Duft der Vanille verantwortlich ist, kann Pheromone aktivieren und damit die Produktion von Oxytocin fördern. Der Duft kann somit zu einem sanften Balsam für unsere Seele werden.
Eine umhüllende Umarmung
Silvia Martinelli, Parfümeurin und Gründerin von Giardini di Toscana, ist davon überzeugt: „Ich habe mein erstes Parfüm aus einem persönlichen Bedürfnis heraus kreiert. Ich suchte nach Anklängen an jene Zärtlichkeit und familiäre Wärme, nach der ich mich in diesem Moment sehnte. Durch das Experimentieren mit Essenzen und das Ausprobieren neuer Kompositionen fand ich schließlich den Duft, der mich bewegte, ja sogar tief berührte. Beim Tragen nahm ich das Gefühl einer umhüllenden Umarmung wahr. Es tat mir gut. Aus dieser persönlichen Suche entstand später ein erfolgreiches Parfüm.“ Silvia erinnert sich, wie sie diese Erfahrung intensiver emotionaler Beteiligung auch in ihrer Parfümerie oft geteilt hat: „Eines Tages bat mich ein junges ausländisches Paar, einige Produkte auszuprobieren. Ich reichte ihnen Mouillettes mit meinem ersten Duft, dem süßen, vanilligen. Zu meiner Überraschung hob das Mädchen die Hände vor ihr Gesicht, um ihre Tränen zu verbergen. Beunruhigt versuchte ich zu verstehen, was passiert war. Sie sah mich an und lächelte. Sie war gerührt: Eine intensive und sehr süße Erinnerung war aufgetaucht. Eine warme Umarmung hatte sie in einen Moment der Zärtlichkeit versetzt.“
Momente der Zärtlichkeit
Ist es euch auch schon passiert, dass euch ein Duft bewegt hat, der euch an einen Moment der Zärtlichkeit und Gelassenheit erinnert hat? Teilt eure Erfahrung.